Mehr oder weniger Wissenswertes
Der Aesculap-Stab im Veterinär-Logo
Es wird bis heute kontrovers diskutiert, aber auf diesem Symbol, dem sogenannten Aesculap-Stab, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um die Darstellung einer Schlange. Forschenden auf dem Gebiet der Medizingeschichte zufolge handelt es sich vielmehr um eine Darstellung des sogenannten Medinawurms (lat. Dracunculus medinensis), eines Parasiten, der seit Jahrtausenden Menschen und andere Säuger im orientalischen Raum zwischen Nordostafrika und Pakistan befällt, durch umfassende Bekämpfungsmaßnahmen heute jedoch auf den afrikanischen Kontinent zurückgedrängt worden zu sein scheint.
Mikroskopisch kleine Larven dieses Wurmes dienen in Süßwasserbereichen dieser Gegenden winzigen Ruderfußkrebschen (0,5 bis 1 mm groß) als Nahrung, deren Darmwand sie anschließend durchbohren, um dann in der Bauchhöhle des Krebschens, das so als Zwischenwirt dient, zu liegen zu kommen.
Wird dieser Krebs nun von Mensch oder Tier mit dem Trinkwasser aufgenommen, so schlüpfen diese Larven im Magen aus den Krebschen heraus, gelangen dann weiter in den Bereich des Dünndarms und bohren sich hier in die Schleimhaut und weiter in die freie Bauchhöhle des Wirtes vor, wo sie heranwachsen und sich dann zur Weiterentwicklung verpaaren.
Die männlichen Würmer (nur ca. 3 cm lang) sterben nach dieser Verpaarung und werden vom Körper des Wirtes eingekapselt. Die weiblichen Würmer jedoch (bei einem Durchmesser von nur 1,5 mm bis zu 90 cm lang!) wandern nun durch den Körper bis zu den Extremitäten (beim Menschen gern Unterschenkel und Füße), wo sie sich im Bindegewebe der Unterhaut festsetzen. Hier bildet sich nun ein bis zu taubeneigroßes Geschwür, eine Beule, in deren Mitte die Haut, insbesondere bei Kontakt mit Wasser, soweit ausdünnt, bis sie perforiert.
Jetzt werden von diesem in dem Geschwür befindlichen weiblichen Wurm tausende neuer Larven ins Wasser ausgestoßen, wo sie dann wieder von kleinen Krebschen aufgenommen
werden können und sich der Lebenszyklus dieses Wurmes somit schließt.
Versucht man nun, einen solchen Wurm aus dem Geschwür herauszuziehen, so kann es passieren, dass er hierbei zerreißt, was dann zumeist eine üble Entzündung in diesem Bereich zur Folge hat.
Das wusste man offenbar schon im Altertum.
Schon damals suchten Ärzte eines der Enden dieses Wurms in dem Geschwür auf und knoteten es auf ein kleines Stäbchen. Dann zogen sie den Wurm ein Stück weit aus dem Geschwür heraus und rollten ihn auf das Stäbchen auf, was aber irgendwann ein Verknoten des restlichen, in dem Geschwür verbleibenden Wurms zur Folge hatte. Beließ man nun dieses Stäbchen für einen Tag auf der Wunde, so entknotete sich dieser Rest des Wurmes in dem Geschwür wieder ein Stück weit selbst, so dass man ihn dann am nächsten Tag wieder etwas weiter herausziehen und aufrollen konnte, bis man letztlich nach tagelanger, manchmal wochenlanger Prozedur den Wurm unverletzt und in Gänze entfernt hatte.
So macht man es dort noch heute.
Bedenken Sie also bei Ihrem nächsten Ägypten-Urlaub: Beim Baden im Nil sind nicht nur die Krokodile gefährlich! ;-)